Computer in Uganda

Nachdem ich Jonas Artikel über Tansania immer aufmerksam lese, melde ich mich hier mal mit meinen Eindrücken aus Uganda zu Wort. Es wird auch langsam Zeit für mich, da ich Anfang September auch schon wieder nach Deutschland zurück kehre. Bei den ganzen Eindrücken eines Jahres, kann ich euch vorwarnen, der Artikel wird etwas länger werden.

Ein Erfahrungsbericht eines Deutschen in Uganda

Als kurzer Einstieg: Ich bin seit August 2009 in Uganda, wo ich einen Anderen Dienst im Ausland anstatt des Zivildienstes ableiste. Ganz genau, bin ich in Mbarara, im Süd-Westen Ugandas. Ich arbeite bei „Conversation Efforts for Community Development” (CECOD), wo ich für all das Zuständig bin, was mit Computern zu tun hat. Seit Mai 2010 bin ich in der Linux User Group Uganda aktiv.

Bei Jonas tauchte in einem Kommentar die Frage auf, wozu die Leute hier Computer brauchen, wo es doch dringendere Probleme gibt. Die Antwort ist einfach. Für genau die selben Sachen, wie in Deutschland. Es ist wahr, es gibt Probleme hier. Ich hatte das ganze letzte Wochenende kein Wasser, allerdings ist dies eher die Ausnahme. Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist es nur vier mal passiert, seit ich hier bin, dass ich den Wasserhahn aufgedreht habe, und außer heißer Luft nichts heraus kam. Und das ich im Oktober 3 ¹/₂ Wochen am Stück keinen Strom hatte, ist auch zu vernachlässigen. Das ist halt so, und die Leute hier wissen damit um zu gehen. Aber um internationale Bankgeschäfte zu tätigen sind Computer mit Internet nun mal Voraussetzung. Die Geldautomaten sind nichts anderes als Computer. Und wenn mal einen Nachmittag kein Internet geht, sind die Läden der großen Handy Provider leer, weil ohne Internet keine Aufträge bearbeitet werden können; Von Leuten, die sich beschweren, dass ihr Internet auch nicht geht, mal abgesehen.

Wenn für mich ein Paket ankommt, dann ist im Postfach von CECOD ein Zettel, auf dem steht, dass ich das Paket innerhalb von 14 Tagen bei der Post abholen kann. Dort angekommen, zeige ich den Zettel, bekomme ein riesiges Buch vorgelegt, in dem alle Paketeingänge vermerkt sind, muss sehen, wo mein Paket zu finden ist, und unterschreiben. Dann wird mein Paket, durch eine Nummer, welche auf meinem Zettel handgeschrieben vermerkt ist, eindeutig identifiziert aus einem extra Raum geholt. Ein meist sehr langwieriges Unterfangen. Ich muss eine kleine Gebühr bezahlen, dass die Post das Paket für mich verwahrt hat, und bekomme eine handgeschriebene Rechnung (zumindest auf einem Rechnungsblock) ausgehändigt. Ein Verfahren, das sich durch den Einsatz von Computern, die es auf der Poststation gibt, und die zum surfen auf Seiten wie Facebook exzessiv genutzt werden, sicher beschleunigen ließe. Auch die Vernehmung als Zeuge bei der Polizei, wo das Protokoll handschriftlich angefertigt wird, ging nur sehr schleppend voran. Dass die Polizei schon eine Tatortbesichtigung am Vormittag gemacht hat, ist zwar nichts, was der Computer hätte erahnen können, und damit die erneute Besichtigung am Nachmittag überflüssig machen, aber ich glaube trotzdem, dass der Einsatz von Computern auch hier nicht schaden könnte.

Gehen wir vom öffentlichen Sektor in die Privatwirtschaft.

An jeder Ecke gibt es Internetcafés und Läden, an denen man seine Dokumente drucken, kopieren, scannen oder abtippen lassen kann. Ich würde allerdings jedem davon abraten seinen USB-Stick auch nur an einen dieser Computer anzuschließen. Ca. 10 verschiedene Vieren, die sich in allen Ordnern einnisten, im Zweifelsfall den Schreibschutz aktivieren, alles löschen, oder den Stick gleich unbrauchbar machen, sind einem sicher. Ich lobe mir da mein Ubuntu. Im Büro ist eine meiner Aufgaben alle zwei Tage jeden Stick zu überprüfen, da sich auch innerhalb des inzwischen mehrfach gereinigten Organisationsnetzwerkes immer noch ein Virus tummelt.

Dabei sollte ich mich glücklich schätzen. Der Traum eines jeden Studenten hier ist, gleich nach ‚nach Amerika oder Europa auswandern‘ ist nämlich für eine Nicht-Regierungsorganisation zu arbeiten, da hier „das Geld” sitzt. Und da die meisten dieser Organisationen aus dem Ausland finanziert sind, stimmt das wohl auch. Von Netzwerk kann man allerdings auch bei CECOD nicht wirklich sprechen. Man stelle sich fünf Computer vor, die durch einen Switch verbunden sind, und von denen einer per „Telefon” (was genau das für eine Verbindung herstellt, weiß ich nicht) ans Internet angeschlossen ist, und dieses für die anderen Computer im Netzwerk frei gibt. Unter der Bedingung, dass es gerade mit Guthaben aufgeladen ist. Als ich den Drucker im Büro als Netzwerkdrucker eingerichtet hatte, waren alle so davon begeistert, dass ich Testseiten in Massen drucken musste. Die Freude war allerdings nicht von langer Dauer, da die Haken an den Netzwerkkabeln fehlen, und diese damit regelmäßig aus dem Switch und den Netzwerkkarten rutschen. Auch an surfen ist so nicht wirklich zu denken.

Ein paar Initiativen, wie zum beispiel das S7 Lab, einen Klasse für Schulabgänger, in der diese verschiedene Computerkentnisse erlangen können, und welches nur Ubuntu Systeme einsetzt, und die auch ein schönes funktionierendes Netzwerk haben, sind positiv hervor zu heben.

Direkt angeschlossen ist ein Ubuntu Internet Café. Leider gibt es nicht all zu viele davon.

Inzwischen bin ich in der Linux (und FLOSS) Community in Uganda sehr aktiv. Nach der Ubuntu Release Party Anfang Mai in Kampala, von der Linux User Group Uganda, habe ich hier in Mbarara eine Linux User Group gegründet. Das war die zweite in Uganda, inzwischen ist noch eine dritte in Jinja hinzu gekommen. Es ist ein bisschen, wie in Deutschland. Der normale Nutzer muss nichts von Linux mitbekommen, wenn er nicht will. Wer interessiert ist, kommt allerdings fast nicht daran vorbei. Der Webserver meiner Organisation, der hier in Uganda steht, und von einer hiesigen Firma bereit gestellt hat, ist ein Linux Server. Auf der Universität hier haben, noch bevor die Linux User Group gegründet war, einige Studenten die Linux Distribution Ultimate Edition genutzt.

Es gibt verschiedene Großveranstaltungen, in denen Linux gefördert wird, oder freie Software, wie zum Beispiel Python, vorgestellt werden. Für den Software Freedom Day am 18. September ist derzeit Planung für das Auftreten der Linux User Groups in Kampala am laufen. Die treibenden Kräfte hinter vielen dieser Sachen sind allerdings viel zu oft Weiße. Freie Software wird hier, nicht, wie in Deutschland, einfach mal schnell aus dem Internet heruntergeladen. Meine Ubuntu 10.04 CD habe ich auf der Ubuntu Release Party in Kampala bekommen.

Die 20 weiteren CDs, die ich mitgenommen hatte, gingen auf dem ersten Linux User Group Treffen in Mbarara weg, wie warme Semmeln. Fedora habe ich mir zum ausprobieren heruntergeladen. Meinen Laptop habe ich dazu drei Nächte hintereinander laufen lassen.

Dieser Artikel ist ebenfalls veröffentlicht auf dem Uganda Blog.

LUG Uganda – Python + AppEngine

Nach dem monatlichen Treffen der Linux User Group (LUG) Mbarara stand am 23. Juli eine gemeinsame Veranstaltung der 3 LUGs hier in Uganda in Zusammenarbeit mit Google an.

Nach einigen Wochen der Vorbereitung auf der Mailingliste der LUG Uganda, zig Telefonaten und einigem Kopfzerbrechen, hieß es für mich, der im 5 Stunden von der Hauptstadt Kampala entfernt wohne, um 4:00 Uhra aufstehen. Um 5:00 Uhr traf die Linux User Group Mbarara sich, um gemeinsam mit dem Bus nach Kampala zu fahren.

Um kurz nach 13:00 Uhr, der Zeit, zu der es eigentlich los gehen sollte, kamen wir an der Makerere Universität an. Der Stau in Kampala und die Sicherheitskontrollen mit Körper Abtastung haben ihren Teil dazu beigetragen. Die Masse, die schon auf uns wartete, war enorm.

Zum Glück durfte ich mich an den Wartenden vorbei drängen, um mit den restlichen Organisatoren die letzten Einzelheiten zu besprechen. Der Rest aus Mbarara hatte zumindest Priorität, und durfte sich zuerst einen Platz an einem der gut 100 Ubuntu Thin Clients suchen. Leider hatten nicht alle das Glück. Nachdem der Raum mit 160 Leuten deutlich überfüllt war, mussten wir leider die Türen schleißen. Ca. 50 weitere Interessenten konnten leider nicht mehr eingelassen werden.

Nach einigen Vorstellungen der Linux User Group Uganda, FOSS Software, unseren Partnern Hackers for Charity, S7 Labs, Apps4Africa und Google, ging es mit dem eigentlichen Programm los.

John Chamberlain gab eine 2 Stündige Einführung in Python. Ein vor 160 Leuten gar nicht so einfaches Unterfangen. Nach der interaktiven Python Shell, einigen Rechenoperationen und dem „Hallo Welt“ Programm, wurde ein Spiel programmiert, das den Spieler eine Zahl zwischen 1 und 100 raten lässt. Der Computer antwortet daraufhin kleiner oder größer, je nach dem, wo die zuvor zufällig generierte Zahl liegt.

Danach wurde von Richard Ngamita Googles AppEngine vorgeführt. Web Programme auf Python Basis werden hierbei von Google gehostet, was eine gute Skalierbarkeit und Verfügbarkeit der Programme verspricht. Um eine Anbindung zu einer Datenbank muss man sich nicht kümmern, das ist von der Google API schon erledigt. Die To-Do Liste, die im Laufe der Präsentation erstellt werden sollte ist wirklich schlank. Man muss nur die ganzen Befehle der API kennen. Leider war meine To-Do Liste am Ende eine der wenigen die lief.

Daniel Stern hatte in der Zwischenzeit schon seinen UConnect Truck aufgebaut, so dass er nach den Präsentationen bestaunt werden konnte.

Abgerundet wurde der Tag mit der After Party im Google Quartier in Kampala. Einem schönen Büro mit gutem Blick auf die Abend beleuchtete Stadt. Die gelieferten Pizzen waren allerdings noch schneller Weg, als die Plätze an den Workstations zuvor. Aber auch das konnte die gute Stimmung nicht trüben.

Weitere Bilder, Berichte und einige Videos gibt es auf der offiziellen Veranstaltungsseite: http://linux.or.ug/node/453

Linuxoutlaws – LUG Mbarara

Ich wusste ja schon, dass die Stadt, in der ich mich gerade aufhalte einen guten Zungenbrecher abgibt. Dass dies allerdings is einem wohl recht bekannten (mir bis jetzt unbekannt) Linux Podcast auftaucht, und ich der Grund dafür bin, hätte ich nicht erwartet.

Um es kurz zu machen: Hört euch die Folge 152 der Linuxoutlaws an, und passt bei 1:22:14 besonders auf. Da geht es kurz um das nächste Treffen der Linux User Gruppe Mbarara.

Den Podcast gibt es entweder als Mp3 oder Ogg Datei.

teamGLOBAL Jugendkongress

Vom 31. Oktober bis zum 2. November findet in Bad Honnef der teamGLOBAL Jugendkongress unter dem Motto „Globalisierung gestalten“ statt. Für 3 Tage können Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 23 Jahren versuchen die Welt ein bisschen zu verbessern. Der Kongress ist für Teilnehmer kostenlos (aber bestimmt nicht umsonst).

Das teamGLOBAL ist ein Netzwerk von Jungen Multiplikatoren, die Versuchen zu Themen Rund um Globalisierung zu sensibiliseren. Unterstützt wird das Team vom Institut für Prospektive Analysen und der Bundeszentrale für Politische Bildung.

Ich selber konnte (auf Grund der Entfernung Deutschland – Uganda) leider nicht an der Vorbereitung teilnehmen, und weiß auch noch nicht, ob ich es zum Kongress schaffen werde. Ich habe allerdigs selber schon einige tG-Einsätze geleitet und verfolge die Planung so weit, wie sie in mein E-Mail Postfach eintrudelt. Deshalb hier die Empfehlung: Anmelden (Leider inzwischen vorbei…) und teilnehmen!

Linux User Group Mbarara

Ich war so von der Ubuntu Release Party in Kampala vor ein paar Wochen begeistert, dass ich nun einen Ableger der Linux User Group Uganda hier in Mbarara initiert habe.

Unser erstes Treffen ist am Freitag den 21. Mai um 17:00 Uhr in der Mbarara University of Science and Technology. Weitere Informationen gibt es auf linux.or.ug.

Im Voraus schon vielen Dank allen, die bei der Vorbereitung geholfen haben. Ich bin nach unserer Vorbereitungstreffen zuversichtlich, dass das etwas wird.

In Deutschland hatte ich es bis jetzt nie zu einem Linux (oder Ubuntu) Treffen geschafft, aber ich hoffe, dass sich das ab Herbst in Deutschland auch ändern wird, und ich vielleicht ein paar neue Ideen aus Afrika mitbringen kann 😉